Kulturpfad

Kleiner Führer durch Ebsdorf
Heimat- und Verschönerungsverein e.V. Ebsdorf
Karte von Ebsdorf Herzlich willkommen in Ebsdorf, einem über 1200 Jahre alten, bäuerlich geprägten Ort.
Wir laden Sie ein, unser Dorf mit eigenen Augen zu entdecken.

Folgen Sie am besten den Zahlen auf dem Plan in Verbindung mit dem eingezeichneten Weg.


Ihr Rundgang beginnt am Informationspavillion der Ebsdorfer Vereine (1).
Er steht am Rande des früheren Marktplatzes (2), auf dem vom Jahre 1728 bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts mehrmals im Jahr Viehmärkte abgehalten wurden. Jeder, der an diesem Tag Pferde bei sich untergestellt hatte, besaß auch das Recht, Bier und Branntwein auszuschenken.

Im Jahr 1950 wurde hier die 1200-Jahr-Feier der Gemeinde Ebsdorf festlich begangen. Jetzt steht hier das 1974 eingeweihte Bürgerhaus (3).
Hinter dem Bürgerhaus führt die Straße 'Am Steinbrunnen' zum ehemaligen Waschplatz (4), früher umgeben von den Bleichwiesen des Dorfes.

Die gefasste Quelle liefert noch in den ärgsten Trockenzeiten Wasser, das auch in harten Wintern nicht gefriert.
In diesem Bereich des Dorfes wurden 1954 bei Ausgrabungen Reste eines Gebäudes des Dorfadels aus dem Spätmittelalter (Kemenate) gefunden, worauf die Straßenbezeichnung 'Am Steinernen Haus' hindeutet.

Sie überqueren hier auf Ihrem weiteren Rundgang die Zwester-Ohm, einem Bach, der bei Wermertshausen entspringt und bei Sichertshausen in die Lahn mündet.

Der schmale Weg führt nun direkt in das alte Dorf.

Wenn Sie sich an der Hauptstraße nach rechts wenden, können Sie einen Blick in einen von mehreren in Ebsdorf noch vollständig erhaltenen Vierseithöfen (5) im fränkischen Stil werfen.
Etwas weiter linker Hand sehen Sie nacheinander zwei unterschiedliche Beispiele für Verzierungstechniken an Fachwerkscheunen (6),
zum einen ist dies der figürliche Kratzputz und zum anderen der eher schlichte Stipp-Putz.
Wie hier können Sie auch an vielen anderen Häusern in Ebsdorf Konstruktions- und Schmuckelemente des Fachwerks entdecken, die für diese Gegend typisch sind.
Beim Betrachten der Fachwerkhäuser werden Sie auch immer wieder auf interessante Inschriften stoßen.

Kehren Sie jetzt zurück bis zu dem kleinen Platz an der Telefonzelle.
Dahinter befand sich bis 1909 das Ebsdorfer Brauhaus. Jetzt steht dort eine Scheune (7).
Der Brunnen davor ist der Nachfolger des alten Braubrunnens. Er ist einer von drei der ehemals fünf örtlichen Dorfbrunnen. Einen zweiten Brunnen findet man am Ende der Hippegasse (7a), wenn Sie dem auf dem Plan gekennzeichneten Abstecher folgen.
Dieser Brunnen wurde im Jahr 2000 freigelegt und kann nun seit langer Teit erstmals wieder genutzt werden.

Bis zum Bau der Wasserleitung im Jahr 1914 hatte jeder große Hof im Unterdorf wenigstens einen eigenen Brunnen.

Hier am Ende der Hippegasse sind Sie gleichzeitig zu einem weiteren der noch bewirtschafteten stattlichen Vierseithöfe gelangt. Besonders sehensswert sind das Torhaus und das schöne Hoftor.

Wenn Sie zur Telefonzelle zurückgekehrt sind biegen Sie nach links in die Straße An der Linde ein. Die Straßennamen An der Linde und Gerichtsweg weisen darauf hin, daß in Ebsdorf nachweislich von der Mitte des 13. Jahrhunderts bis 1786 Recht gesprochen wurde, die längste Zeit im Freien im Schatten der mächtigen Linde (8) und später im Gerichtshaus, das jedoch nicht mehr besteht und durch ein Stallgebäude überbaut worden ist (9).
Die Linde, die jetzt hier steht, ist in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts gepflanzt worden. Das rechte der beiden schmalen Häuser am Gerichtsplatz diente lange Zeit als Armenhaus bzw. als Gefängnis.

Folgen Sie jetzt dem Gerichtsweg.
Neben schön verzierten und sorgfältig renovierten Häusern finden Sie hier das einzige Fachwerkhaus in Ebsdorf, das teilweise noch in Ständerbauweise errichtet ist (10).
Sie gelangen jetzt bald zur Dorflinde (11) mit dem Dorfbrunnen, einem zentralen Ort mit schönem Blich auf die Kirche von Ebsdorf (12).

Hierzu an dieser Stelle einige Anmerkungen:
Wesentliche Teile des Turmes und des Kirchenschiffs stammen aus romanischer Zeit. Um 1250 erfolgte der Ausbau zur Wehranlage, wie die hohe und wuchtige Umfassungsmauer zeigt. Der Chor wurde Ende des 15. Jahrhunderts im gotischen Stil angefügt; außerdem wurde der Turm erhöht und zur Zierde mit Wichhäuschen versehen.
1743 - 1745 erfolgte die Umgestaltung zur barocken Saalkirche; dabei wurde die Decke als reizvoller blauer Wolkenhimmel mit Gestirnen gestaltet. Eine im Innern in der Nähe des Altars aufgestellte romanische Kreuzplatte weist auf eine Vorgängerkirche hin.
Die Kirche ist sonntags von 10.30 - 11.30 Uhr zum Gottesdienst und von 14 - 18 Uhr zur Besichtigung geöffnet; außerhalb dieser Zeiten kann der Schlüssel im Haus Kirchgasse 10 geholt werden.

Wenn Sie jetzt den Kirchhof durch das vor Ihnen liegende Tor betreten, befinden Sie sich auf dem ehemaligen Friedhof (13), der bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts genutzt wurde.
Sie finden hier mehrere interessante Grabsteine (sogenannte 'Sippensteine').
Beim Rundgang um die Kirche erschließt sich der wehrhafte Charakter der Anlage, um die sich das gesamte alte Dorf ringförmig gruppiert.

Dieser Kirchhof war vermutlich Standort eines salischen Königshofs (11. Jahrhundert).

Wenn Sie nach Ihrem Rundgang den Kirchhof durch das gleiche Tor verlassen, durch das Sie eingetreten sind, sollten Sie sich scharf nach rechts in die Kirchgasse wenden. Hier finden Sie auf Ihrem weiteren Weg erneut den einen oder anderen Bauernhof im fränkischen Stil. Sie können außerdem Beispiele für großzügig gestaltete eiserne Hoftore entdecken (14) und auf dem Scheunendach die letzte in Ebsdorf erhaltene Vorrichtung zur Anlage eines Storchennests bewundern, zum letzten mal um 1960 genutzt.
Die für ein Gehöft dieser Art typischen Taubenschläge fehlen ebenfalls nicht.
Unterhalb des zweiten Zugangs zum Kirchhof kommen Sie num am letzten von ehemals drei Ebsdorfer Backhäusern vorbei (15). Es wird auch heute noch rege genutzt.

Falls Ihnen unterwegs im Dorf eine Frau in Tracht begegnet ist, dann trägt sie die Marburger evangelische Tracht, die sich im Verlauf des 19. Jahrhunderts vor allem von Ebsdorf aus entwickelt hat.

Genau gegenüber dem Backhaus steht eines der ältesten Häuser von Ebsdorf (16, erbaut im Jahr 1669. Seine Keller sind als doppelstöckiges Gewölbe ausgebaut.
Auch das nächste Haus unterhalb (17) ist vermutlich ähnlich alt.

Nach der Einmündung der Haingasse - der Name weist auf eine ehemalige Befestigung aus umgebogenen Hainbuchen ('Gebück') hin - können Sie am Eckpfosten des Hauses Kirchgasse 2 eine der seltenen figürlichen Ausschmückungen an einem Fachwerkbalken in Ebsdorf sehen (18).
Beim Hof gegenüber fällt das große, ziegelgemauerte Stallgebäude ins Auge.
Alle Backsteingebäude im Dorfkern sind mit Steinen aus der ehemaligen Ebsdorfer Ziegelei errichtet worden. Sie befand sich am Ortsausgang Richtung Marburg und wurde im Jahre 1969 abgerissen.
Die teils mächtigen Buntsandsteinquader der Grundmauern der Häuser im Ortskern stammen von den benachbarten Lahnbergen.

Kurz vor Ende des Rundgangs durch Ebsdorf fällt noch das markannte dreistöckige Fachwerkhaus an der Hauptstraße kurz vor der Bachbrücke links auf, das als Gastwirtschaft erbaut wurde (19). Hier diente der gesamte dritte Stock zur Lagerung des Getreides.

Dieser Gasthof lag damals unmittelbar an einer Furt durch die Zwester Ohm an der Kreuzung zweier wichtiger Handelswege:
dies waren die Straßen von Marburg nach Grünberg sowie 'Die langen Hessen' von Frankfurt in Richtung Norden.

Sie sind nun wieder am Ausgangspunkt Ihres Rundwegs angekommen.
Wir hoffen, daß die hier erwähnten Sehenswürdigkeiten von Ebsdorf Ihr Interesse fanden und danken Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.


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